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Der Holländer Raymond Verheijen gilt als Fitnessguru. Als solcher hat er den Anspruch, auf Fehler in der Gestaltung des Fussballtrainings aufmerksam zu machen

Zürich Raymond Verheijen ist ein Mann der klaren Worte – immer wieder machte er sich in der Vergangenheit Luft über die Trainingsmethoden von Fussballclubs: Die Teamverantwortlichen von Arsenal seien «Amateure», der ehemalige Manchester United Coach David Moyes in Sachen Trainingsgestaltung ein «Dinosaurier». Der 43-jährige Holländer, der auch schon walisischer Nationaltrainer war, hat jüngst sein Buch «Periodisation in Football» auf Englisch herausgebracht. Es widmet sich der systematischen Planung von Fussballtrainings.

Sie haben eine pointierte Meinung in Sachen Trainingsmethoden.

Ich habe keine pointierte Meinung. Ich stütze mich auf medizinische und wissenschaftliche Fakten. Deshalb kommen meine Aussagen pointiert daher.

Sie sagen, Fussballclubs trainieren falsch. Ist das nicht zu pauschal?

Natürlich gibt es mittlerweile Vereine, die ihre Trainings individuell ausgestalten. Doch noch immer wird zu wenig Rücksicht auf den einzelnen Spieler-typen genommen.

Was machen die Vereine falsch?

Sie trainieren zu viel. Eine Einheit pro Tag reicht. Das mag für viele paradox klingen, gerade für Fans, die sich darüber aufregen, wenn die gut bezahlten Stars nur einmal am Tag trainieren. Fakt ist, nach einer Trainingseinheit von 90  Minuten muss der Spieler sich erholen. Kann er das nicht, akkumuliert sich die Müdigkeit. Passiert das über Wochen, dann spricht man von «Übertraining», und die Folge ist irgendwann eine Muskelverletzung, meist ist der Hamstring betroffen, der Muskel auf der Rückseite des Oberschenkels.

Sie haben die einzelnen Spielertypen angesprochen: Welche gibt es?

Jeder Mensch hat schnell und langsam zuckende Muskelfasern. Es gibt Fussballer, die haben von Geburt auf mehr von den schnelleren, und es gibt andere, die haben mehr von den langsameren. Tendenziell sind Erstere Sprinter und Letztere Ausdauersportler. Diejenigen mit den schnelleren Fasern sind also explosiver; ihre Sprints brauchen aber auch mehr Energie und daher mehr Erholung. Darauf muss man als Trainer Rücksicht nehmen. Schauen Sie bei Arsenal: Ramsey, Walcott, Wilkshire, Oxlade-Chamberlain – von ihrem Naturell her alles explosive Spieler. Sie erleiden immer wieder Muskelverletzungen. Da läuft etwas strukturell falsch.

Ein ähnlicher Spielertyp ist auch Arjen Robben. Sie beraten ihn.

Arjen hat bei Chelsea immer gleich viel trainiert wie seine Kollegen, er verletzte sich immer wieder, die Leute verpassten ihm den Namen «Mann aus Glas». Ich sprach mich dafür aus, dass er individuell und vor allem weniger trainiert. Das haben sie nun auch bei Bayern München verinnerlicht. Und schauen sie: Arjen ist kaum mehr verletzt.

Welche Rolle spielt die Ernährung?

Sie ist ein elementares Element für die Erholung. Aber auch hier gibt es noch Potenzial: Die meisten Vereine setzen auf Proteine und Kohlenhydrate, quasi die Nahrung für den Muskel. Dabei vernachlässigen sie das Hirn, dieses muss der Sportler mit genügend Neurotransmittern, chemischen Botenstoffen, versorgen. Dies macht er, indem er Nahrungsmittel wie Vollkornbrot oder Haferflocken isst, die diese Transmitter im Hirn ausschütten.

Weshalb ist das wichtig?

Bei Müdigkeit arbeitet das menschliche Nervensystem langsamer, und das Signal vom Gehirn zum Muskel braucht länger. Damit steigt auch das Verletzungsrisiko. Normalerweise zieht es bei einer Rotationsbewegung die Muskeln im Knie automatisch zusammen, um es stabil zu halten und zu beschützen. Ist der Spieler müde, dann kommt das Signal vom Gehirn zu spät im Knie an. Der Schutz fällt weg, und schwerste Verletzungen wie ein Kreuzbandriss können die Folge sein. 80 Prozent aller Verletzungen könnten durch eine klügere Trainingsplanung verhindert werden.

Wie viel Erholungszeit braucht ein Fussballer nach einem Spiel?

48 Stunden, das ist wissenschaftlich erwiesen. Jeder Hobbysportler kennt das, der Muskelkater ist meist am zweiten Tag am schmerzhaftesten, der Körper ist dann am Tiefpunkt – das ist auch bei den Fussballern so. Deshalb sollte dieser Tag trainingsfrei sein. Doch viele Trainer lassen noch immer genau dann trainieren. Und schauen sie nach England, die spielen über Weihnachten/Neujahr gar innerhalb von zwei Tagen. Haben Sie gesehen, wie viele Spieler sich während dieser Tage verletzt haben? Das ist schockierend!

Statistiken zeigen, früher gab es weniger Verletzungen.

Das mag stimmen. Doch heute macht der Fussballer wohl doppelt so viele explosive Bewegungen pro Spiel als noch vor 20 Jahren. Abbremsen, beschleunigen – immer wieder. Für den Muskel ist das eine extreme Belastung. Es braucht daher zwingend eine genügend lange Erholungsphase.

Die Rotation als einzige Lösung?

Das Rotieren ist lediglich ein Bekämpfen der Symptome; es fasst das Problem aber nicht an der Wurzel. Rotation heisst, der Trainer schickt nicht die beste Mannschaft auf den Platz. Das kann nicht das Ziel sein. Die Lösung liegt beim Anpassen des Spielplans und vor allem bei einem adäquaten Trainieren.

Das müssen die Trainer mittlerweile doch wissen.

Eben nicht. Viele Konditionstrainer haben noch immer eine fussballfremde Ausbildung. Sie betrachten die Fitness völlig isoliert vom Fussball und spulen ihr Programm ab. Dabei sollte das Fitnesstraining ein integraler Part sein. Da ist natürlich auch der Trainer in der Pflicht. Der schwedische Sportmediziner Jan Ekstrand hat in einer Studie für die Uefa nachgewiesen, dass die Trainer zu den wichtigsten Gründen für Verletzungen gehören.

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