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Der Fußball ist ein Sport, der sich wie vielleicht kein zweiter permanent neu erfindet. Das wird auch in Zukunft so bleiben. Doch was bringt die nähere Zukunft – vielleicht zunächst das 3-6-1 als neues Spielsystem?

Bis vor wenigen Jahren hätten wir Beobachter des Fußballs, Spieler und wohl auch die Trainer selbst bei einem Begriff wie „falsche Neun“ hilflos mit den Schultern gezuckt. Nachdem erst die Spanier 2010 und 2012 bei der WM und der EM diese Spielweise erfolgreich durchgesetzt und die Deutschen sie 2014 in Brasilien nahezu bis zur Perfektion gebracht haben, in einigen Spielen zumindest, ist das Begriffspaar auch einem breiteren Publikum bestens bekannt. Auch Wortschöpfungen wie „tiki-taka“ oder „abkippender Sechser“ sind nicht länger Ausdrücke, die nur absolute Fachleute verstehen. Ganz generell ist die Betrachtung des Fußballs heute wesentlich differenzierter als früher, der Zuschauer gibt sich längst nicht mehr damit zufrieden, wenn etwa der Fernsehkommentator nur das erzählt, was sowieso jeder sieht. Nein, heute wird gefachsimpelt – über Laufwege, den Zugriff auf das Spiel, den eine Mannschaft hat (oder eben nicht hat) und natürlich das taktische System, mit dem der Trainer das Spiel von vornherein vergeigt hat. So, wie es ganz Deutschland 2012 tat, als Bundestrainer Löw gegen Italien eine Variante wählte, die in die Hose ging.

Die Verdichtung des Mittelfelds als Maxime des Spiels

Die meisten Fußballbeobachter wissen heute, was das 4-2-3-1 vom 4-3-3 und das 4-4-2 vom 4-1-4-1 unterscheidet, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Und dann gibt es da noch die in letzter Zeit häufig praktizierten Systeme 5-4-1 (Costa Rica bei der WM) oder 4-5-1, das die Dortmunder während ihrer erfolgreichen Jahre gespielt haben. Beim BVB hat das allerdings nur funktioniert, weil Lewandowski in vorderster Front dazu in der Lage war, lange Bälle anzunehmen, zu halten und die nachrückenden Mitspieler, ob zentral oder auf den Flügeln, zu bedienen. Außerdem war diese Staffelung für Klopps Maxime, den Gegner tief in dessen Hälfte zu stören, nur so erfolgreich zu bewältigen, da Lewandowski plus drei offensive Mittelfeldspieler die Räume eng machten und den Gegner zu regelmäßigen Ballverlusten zwangen. Konnte sich die Defensivreihe des Gegners dennoch mal hinten herausspielen, so sicherten immer noch zwei defensivere Mittelfeldspieler die Räume hinter den pressenden Kollegen ab.

Im Profifußball gibt es inzwischen hier und da Versuche, das 4-5-1 weiterzuentwickeln, und zwar in Richtung eines 3-6-1. Dabei wird das Mittelfeld noch weiter verdichtet, wobei die Grundidee darin besteht, das gegnerische Aufbauspiel quasi in zwei Zonen zu attackieren – ganz vorn per Stürmer und zwei nachrückenden Spielern sowie drei weiteren Mittelfeldakteuren dahinter. Der defensivste Mittelfeldspieler und die Dreierabwehrkette bilden die letzte Bastion im Falle, dass alle Vorderleute überspielt worden sind. Das passiert allerdings selten, wenn man es so praktiziert wie Bayern München unter Guardiola. Durch variables Verschieben und die bloße Anzahl der Spieler im Sechser-Mittelfeld entstehen unheimlich viele Möglichkeiten, wie das 3-6-1 taktisch ausgelegt werden kann.

Offensives Pressing im 3-6-1

Wie einige andere Systeme auch klingt das 3-6-1 erst einmal recht defensiv. Erfolgt das Pressing jedoch „hoch“, also weit in der gegnerischen Hälfte, dann ist die gesamte Ausrichtung der Mannschaft auf einmal offensiv (wobei „aggressiv“ in diesem Fall der bessere Begriff wäre). Wie aber funktioniert nun dieses hohe Pressing genau? Dazu nehmen wir an, dass der gegnerische Torwart natürlich keinen langen Abschlag vollführt, sondern versucht, mit den vor ihm agierenden Spielern der Viererkette den Spielzug von hinten heraus vorzubereiten. Der Gegner, so setzen wir voraus, agiert im 4-2-3-1, wobei die beiden Außenverteidiger schon recht hoch stehen. Der Spielaufbau erfolgt also über einen der beiden Innenverteidiger, der – sobald im Ballbesitz – seitlich vom Stürmer angelaufen wird. (Seitlich deswegen, weil der Stürmer so den Passweg zum anderen Innenverteidiger oft zustellen kann.) Der Mittelfeldspieler aus der Sechserreihe, der die äußerste Position auf jener Seite besetzt, auf der sich der Ball befindet, deckt den gegnerischen Außenverteidiger, die anderen fünf aus der Kette verschieben alle etwas in Richtung Ball.

Einer der beiden Sechser rückt ein paar Meter aus der Formation heraus nach vorn, um den Raum zwischen ballführendem Spieler und gegnerischem Sechser zuzumachen. Die zentral entstandenen Löcher werden von den anderen Mittelfeldspielern der pressenden Mannschaft zugeschoben. Der ballführende Innenverteidiger hat nun – die richtigen Laufwege vorausgesetzt – keine Anspielstation mehr, als Option bleibt ihm eigentlich nur der lange Ball. Oder aber der Weg zurück über den Torwart, der über das entstandene Dreieck den anderen Innenverteidiger ins Spiel mit einbezieht. Das ist für die offensiv pressende Mannschaft ein heikler Moment, denn nun droht Gefahr. Die kann allerdings leicht ausgebremst werden, und zwar, indem sich alle Spieler der Sechserkette genau spiegelverkehrt zur vorigen Situation wieder in Richtung Ball verschieben. Geschieht das schnell genug, verpufft die Gefahr durch den Seitenwechsel. Ganz wichtig ist dabei aber, dass der äußerste Spieler der Mittelfeldreihe seinen Gegenspieler (also den Außenverteidiger) so anläuft, dass er zwar angespielt werden kann, aber keine Möglichkeit besitzt, die Außenbahn zu verlassen.

Der Fußball ist ein Sport, der sich wie vielleicht kein zweiter permanent neu erfindet. Das wird auch in Zukunft so bleiben. Doch was bringt die nähere Zukunft – vielleicht zunächst das 3-6-1 als neues Spielsystem?

Eine interessante Variante dieses Pressings im 3-6-1 wäre aber auch, den Abstand zwischen dem angreifenden Stürmer und der Sechserreihe im Mittelfeld zu verkleinern, also den Stürmer weiter nach hinten zu ziehen, so dass ein 3-6-1-0 entsteht. Der Plan dahinter: die Innenverteidiger in aller Ruhe das Spiel aufbauen zu lassen, der Stürmer besetzt dabei eher den Raum zwischen den nach hinten abkippenden Sechsern. Das erzeugt zwar keinen direkten Druck auf die ballführenden Verteidiger, aber hemmt auch jede Spielentwicklung des Gegners nach vorn. So bleibt als Option oft nur der leicht berechenbare lange Ball, der von der eigenen Defensive abgefangen werden kann. Der kurze Passweg auf einen der Mittelfeldspieler ist hingegen immens gefährlich, da die Sechserreihe engmaschig steht und jederzeit in der Lage wäre, den angespielten Mittelfeldspieler des Gegners von seinen Mitspielern zu isolieren und auf den Ballgewinn und das schnelle Umschalten zu gehen.

Auch die tiefere Aufstellung ist erfolgsversprechend

Nicht nur das „hohe Stehen“ des Mittelfelds und des Stürmers verspricht Erfolg bei der Balleroberung. Auch dann, wenn sich die Formation ein wenig nach hinten abkippen lässt, wird es für den Gegner äußerst schwer, das Aufbauspiel geordnet nach vorn zu entwickeln. In diesem System greift der Stürmer erst im Mittelkreis der gegnerischen Hälfte ins Geschehen ein, die Sechserreihe hingegen steht etwa zehn Meter hinter der Mittellinie, also in der eigenen Hälfte. Die beiden äußeren Spieler in der Reihe fallen jeweils ein Stück nach hinten ab, aus dem einfachen Grund, um lange Bälle hinter die Sechserreihe ablaufen zu können. Das ist deswegen nötig, da die Dreier-Abwehrkette sich nicht so weit auseinanderziehen lassen darf, sondern versuchen muss, kompakt in der Mitte zu stehen und nur leicht in Richtung jenes Flügels zu verschieben, auf der sich der Ball befindet. Extrem wichtig ist hier auch ein mitspielender Torwart.

Diese etwas defensivere Aufstellung ist besonders für Mannschaften interessant, die das schnelle Umschaltspiel bestens beherrschen und läuferisch Räume aufziehen können. So sind schnell alle wichtigen Zonen besetzt, gleichzeitig ist die Zentrale im Falle eines Ballverlusts im Konterspiel immer gut abgesichert. Entscheidend sind mehrere Faktoren. Die vier äußeren der sechs Mittelfeldakteure laufen vertikal, sie können dabei natürlich auch kreuzen – wichtig ist, dass Breite in den Konter kommt. Der einzige, der zunächst zentral steht, ist der Stürmer, der sich jedoch je nach Verlauf des Konters etwas seitlich absetzt oder als Anspielstation von hinten genutzt wird. So kann er den nachrückenden Mitspielern den Ball einfach prallen lassen. Wenn das Mittelfeld den Ball schnell selbst nach vorn trägt, kann der Stürmer natürlich auch die Gasse suchen, in die hinein der vertikale Pass erfolgt. Insgesamt ergibt sich für den Gegner ein schwer berechenbares Bild.

Das System der Zukunft?

Festhalten muss man zunächst, dass ein 3-6-1 nur dann funktioniert, wenn man als Trainer die „richtigen“ Spieler hat – taktisch versiert, schnell und extrem ballsicher. Ist das gegeben, dann lassen sich aus dieser Grundformation viele Varianten ableiten. Wenn beispielsweise die beiden Halbaußen nach vorn neben den Stürmer aufrücken, entsteht unmittelbar ein sehr offensives 3-4-3. Schieben die beiden äußeren Mittelfeldspieler etwas nach vorn, bekommt es der Gegner mit einem schwer zu lesenden 3-4-2-1 zu tun. Ob das 3-6-1 also das System der Zukunft wird, bleibt offen, das Potenzial dazu ist jedoch vorhanden. Die Laufwege sind entscheidend, wenn das Spiel nach vorn entwickelt werden soll, und das möglichst schnell. Dadurch können aber auch Probleme entstehen, wenn etwa die Spieler mit zunehmender Spieldauer mehr und mehr Kraft gelassen haben. Rechtzeitige Auswechslungen empfehlen sich also im 3-6-1.

Sonstige Probleme? Kein noch so starkes Team ist auch im 3-6-1 davor gefeit, selbst in Bedrängnis zu geraten, wenn der Gegner gut verschiebt, ballsicher ist und selbst auch die richtigen Laufwege wählt. Doch auch die aktive Gestaltung des Spiels kann dadurch erschwert werden, dass nicht genügend Spieler an den komplexen Verschiebungen teilnehmen, sich falsch bewegen oder der Gegner selbst ein sehr gutes Pressing ausübt. In diesem Fall könnte es ein guter Schachzug sein, einen der Sechser abkippen zu lassen und ein 3-1-5-1 zu kreieren.

Alles in allem ist das 3-6-1 also durchaus vielversprechend und birgt ein sehr großes Potenzial. Und interessant ist es allemal, zumal jeder Trainer und jede Mannschaft dieses System komplett unterschiedlich interpretieren dürften. Die Formation ist so komplex, dass es für nahezu alle Positionen eine eigene taktische Interpretation geben könnte.

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